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wiki:expeditionen

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Expeditionen

Begriff

Lateinisches expedītio bedeutet ‘Erledigung, Abfertigung, Durchführung, Feldzug', also einen organisatorischen Vorgang, der zuerst militärisch gedacht wurde und in Begriffen wie Expeditionskorps, Expeditionsarmee bis heute erscheint.

In heutigen Begriffen zeigt 'expedition' als Letztglied besonders schwierige zivile Unternehmungen an: Arktisexpedition, Dschungel- oder Wüstenexpedition, Nord- oder Südpolexpedition, Polarexpedition, Such- und Rettungsexpedition, Tierfangexpedition. Gemeinsam ist diesen, dass nicht nur etwas erreicht, sondern auch zurückgebracht wird und dem Wert zugemessen wird.

Im Vordergrund stehen dabei Erkundungs- und Forschungsexpeditionen. Im Englischen wird die Forschungsexpedition als 'exploration' bezeichnet, während im Deutschen die Exploration die Suche und das Erschließen von Rohstoffvorkommen bezeichnet, was wiederum durchaus die Aufgabe einer Expedition sein kann.

Immer wird dabei die Unternehmung einer Gruppe verstanden, hierarchisch unterschieden werden Expeditionsleiter und Expeditionsteilnehmer. Das lässt sich so interpretieren, dass zur Bewältigung der gesetzten Aufgabe Leistungen und Funktionen mehrerer Menschen erforderlich sind und koordiniert werden müssen. Das wiederum erfordert Hierarchie und Kommandostruktur anders als bei Reisegefährten.

Die Unternehmungen Einzelner (Abenteurer) als 'Expedition' zu bezeichnen ist durch die genannten Kriterien nicht gerechtfertigt.

Die Einführung des Begriffs im Sinne von Voyage oder Reisen

Die Fahrt von Giovanni 'John' Caboto (um 1450 bis nach 1498) 1) 1497 zur kanadischen Küste gilt als erste britische maritime Expedition. Da es keinerlei unmittelbare Dokumente dieser Fahrt gibt, bleibt unbekannt, ob sie auch damals schon als 'Expedition' bezeichnet wurde. Im königlichen Patent von 1496 heißt es „omni viagio suo“, in der englischen Übersetzung 'voyage'. Erstmals belegt ist der Begriff 'expedition' 1580:

  • Vera descriptio expeditionis nauticae Francisci Draci Angli, cognitis aurati qui quinq[ue] navibus probe instructis, ex occidentali Anglia parte anchoras soluens, tertio post decimo Decembris An[n]o MDLXXVII, terraru[m] orbis ambitum circumnavigans, unica tantu[m] navi reliqua (alijs fluctibus, alijs flamma correptis) redux factus, sexto supra vigesimo Sep. 1580

Die Karte wurde um 1587 von einem unbekannten Zeichner erstellt als eine verkleinerte Kopie der Karte, die Drake 1581 für Königin Elisabeth I. angefertigt hatte. Letztere ist verbrannt, die Kopie damit die älteste Karte der Weltumsegelung von Drake mit The Golden Hind. Diese Karte zeigt die Route der Weltumsegelung 1577–1580 mit einer hellbraunen Linie und die seiner Karibikreise 1585–1586 mit einer dunkelbraunen Linie. Drake, der als Kaperfahrer bekannt wurde, umsegelte 1577–1580 die Welt. Ob dies sein Auftrag war, ist unbekannt. Jedenfalls kaperte er spanische Schiffe und bescherte seinen Finanziers einen Gewinn von 4700 Prozent (Wikipedia).

  • Drake, Francis (1540?-1596)
    Expeditio Francisci Draki,… in Indias occidentales, a. M.D.LXXXV. Qua urbes, fanum D. Jacobi, D. Dominici, D. Augustini et Carthagena captae fuere…
    Leydae, apud Fr. Raphelengium.

Richard Hakluyt verwendet den Begriff 1582 häufig (Principal navigations) Samuel Purchas verwendet den Begriff 'expedition' 1625 einige Male im Sinne von voyage, doch vergleichsweise selten und manchmal negativ konnotiert (fatall, miserable), was das Ergebnis einer solchen angeht, etwa zu Sir Francis Drakes letzter Fahrt: »Toomit other braue exploits neerer home, as that most glorious of 88, and the rest: our puposer is to give you the remote Voyages of this worthy Sea-man; and now lastly that last and fatall expedition Anno 1595 …« 2). Gehäuft im Sinne von Entdeckungsfahrten erscheint der Begriff erst im 18. Jahrhundert, etwa:

  • Funnell, William
    A voyage round the world.: Containing an account of Captain Dampier's expedition into the south-seas in the ship St. George, in the years 1703 and 1704. With his various engagements, &c. …
    London 1707: Printed by W. Botham, for James Knapton, at the Crown in St. Paul's Church-Yard.

Immerhin hatte sich der Begriff so weit durchgesetzt, daß der schottische Schriftsteller Tobias Smollett (1721–1771) ihn 1771 im Titel (The Expedition of Humphry Clinker, Online) seines letzten und erfolgreichsten Romans verwendete. Die satirische Verwendung setzt eine allgemeine Vertrautheit mit dem Begriff voraus.

Im Französischen erscheint 'expedition' erstmals im Sinne von voyage und ohne militärischen Kontext 1618:

  • Histoire de l'expedition chrestienne en la Chine, entreprise par les Peres de la Compagnie de Jesus .
    Tirée des commentaires du Pere Mathieu Riccius [Ricci, Matteo (1552-1610)] … Traduite de latin en françois par T. C. D. A.
    A Paris, de l'imprimerie de Pierre Le-Mur, … M. D C XVIII. Avec privilege du Roy.

Im Deutschen erscheint 'Expedition' im Sinne von Reisen wohl zuerst bei Johann Joachim Schwabe, 1748 im ersten Band seiner Allgemeine Historie der Reisen zu Wasser und Lande (Online). Auch bereits früher, aber dann als 'Alexanders' Expedition' (1715) oder 'Von der Argonauten Expedition' (1747), also noch im Sinne einer auch militärischen Unternehmung.

Im Spanischen wurden die Unternehmungen der Conquista armada de rescate, jornada oder entrada genannt, wobei nur die erste Bezeichnung sowohl die Mittel (Waffen) als auch das Ziel (Beute) benennt 3)

  • Vitus Huber
    Beute und Conquista. Die politische Ökonomie der Eroberung Neuspaniens
    (= Historische Studien, 76) Frankfurt am Main 2018: Campus, dort S. 170, 238.

Übersetzung

Deutsch Englisch Französisch Spanisch Italienisch Niederländisch
Expedition expedition
exploration
expédition expedición spedizione expeditie
Entdeckungs-reise voyage of discovery voyage de découverte viaje de descubrimiento viaggio di scoperta ontdekkingsreis
Forschungs-reise research trip voyage d'exploration scientifique viaje de investigación viaggio di ricerca onderzoeksreis

Expeditionen zum Erschließen des Raumes

Raumvorstellungen

Richtungen

Expeditionen zum Erschließen von Routen

Ziele

Organisation

Expeditionen als maritime Unternehmungen

Expeditionen waren zuerst maritime Unternehmungen. Strukturell vergleichbar waren Handelsfahrten, die außerhalb bekannter Routen neue Märkte oder exklusive Waren suchten (→ Fernhandelsnetzwerke). Kaufleute, Schiffseigner und Schiffsführer koppeln sich dabei:

  • Kaufleute setzen Ziele und investieren Risikokapital;
  • Reeder leiten die Organisation: sie bauen ein Schiff, rüsten es aus und bemannen es;
  • Schiffsführer (Kapitän, Pilot) leiten durch ihr Wissen das Handlungssystem, sie beherrschen die Navigation und die Kartographie.

Ursprünglich waren diese drei Funktionen in Personalunion vereint, das Projekt war ein 'Abenteuer'.
Seehandelsunternehmungen (Commenda) entstanden, indem die Funktionen von Kapitalgeber, reisendem Kaufmann und Schiffseigner zwar verschiedenen Personen zufielen, die jedoch durch die Familie verbunden waren. In Familienverbänden fanden sich Kaufleute, Schiffseigner, Navigatoren, Kartographen und Kompassbauer:
Karte, Kartographen & Kartographie im 14. Jahrhundert
Karte, Kartographen & Kartographie im 15. Jahrhundert
Karte, Kartographen & Kartographie im 16. Jahrhundert

Merkmale früher Expeditionen

Die Wahrnehmung von Expeditionen als etwas Neuem lässt sich als funktionelle Differenzierung beschreiben, indem Herrscher (machtpolitische) Ziele setzen (→ Greenblatt: Besitzergreifung), die über das Erzielen einer Handelsrendite hinausgehen, siehe beispielsweise das königliche Patent für Cabot.

  • Die Ergebnisse enthalten Neues, Ungesehenes und Unerhörtes, erkennbar an den Titeln („account“, „relatio“ → Motsch: Reisesammlungen) der Reiseberichte.
  • Neu ist auch die lange Dauer der Entdeckungsreisen und deren Begleiterscheinungen (Mangelkrankheiten wie Skorbut, Beriberi): „The problems with health and sickness at sea began with long voyages of discovery“ 4), so dass der Schiffsarzt als Figur erkennbar wird.
  • Auch erscheint die neue Figur des die Expedition begleitenden Klerikers, der die weltlichen Interessen legitimiert, aber auch die Interessen der Kirche wahrnimmt (→ Mission).

Ein weiterer Schritt wird im 18./19. Jahrhundert sichtbar, als Interessenverbände (z.B. geographische Gesellschaften) Expeditionen aufstellten, die nun primär wissenschaftliche Ziele verfolgten (exploration). Dabei erscheint als neue Figur der die Expedition begleitende Wissenschaftler. Mit Charles Marie de la Condamine beginnt dann die Zeit der Landexpeditionen (Territorialisierung, Hinterland-Erschließung).

Eine Expedition ist gekennzeichnet durch

  1. funktionale Differenzierung, die sichtbar wird durch unterschiedliche Figuren und deren Aufgaben;
  2. erhöhte Ansprüche an Autarkie und Autonomie durch entsprechende Vorsorge.

Organisationsschema & Figuren

Figur/Funktion vorher unterwegs nachher Maritim
Reeder Ausrüstung, Bemannung
Auftraggeber Zielsetzung
Finanzierung
Kaufmann Investition
Expeditions-
leiter
Itinerar
Ausrüstung
Team (Auswahl)
Reiseberichte
Apodemik
Ausrüster
Kommando, Strategie
Verantwortung
Account
Relation
Kapitän Schiffsführer
Der Alltag unterwegs Lokale Experten
Stellvertreter Vorbereitung Organisation, Sicherheit Bericht 1. Offizier Arbeitsabläufe kordinieren,
Sicherheit überwachen
Wächter
Navigator Vorbereitung Orientierung
Kartographie
Karten Nautischer Offizier Navigation,
Kurs, Wetter
Führer Sichere Wege
Logistiker Vorbereitung Routen, Transport,
Permits, Nachschub
Bootsmann
Träger, Tierführer Lasten; Zug-/Lasttiere
Kommunikation
Dolmetscher Sprach- & Kulturtransfer
Quartiermeister Vorbereitung Verpflegung Smut
Koch
Ingenieur Vorbereitung Instandhaltung
Fahrzeuge, Ausrüstung
Maschinist
Handwerker Reparaturen
Optional
Militär Verteidigung Verteidigung
Mediziner Gesundheit Barber-Surgeon
Kleriker
Experten
Vermesser Landschaften vermessen Messdaten
Wissenschaftler Messungen, Probenahme,
Sach-
dokumentation
Sammlung
Maler
Photograph
Bild-
dokumentation
Bilder

Das Schema ist idealtypisch vereinfacht. Varianten entstehen durch

Verweise

Literatur

  • Oliver Auge, Martin Göllnitz (Hg.)
    Mit Forscherdrang und Abenteuerlust : Expeditionen und Forschungsreisen Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
    (=Kieler Werkstücke, 49) 258 S. Frankfurt am Main 2017: Peter Lang. Inhalt Interdisziplinär und interuniversitär beschäftigen sich die zehn Beiträge der gleichnamigen Ringvorlesung Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit dem Phänomen von Expeditionen und Forschungsreisen am Beispiel Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (etwa Galathea-, Challenger- und Plankton-Expeditionen).
  • Julia Carina Böttcher
    Beobachtung als Lebensart : Praktiken der Wissensproduktion bei Forschungsreisen im 18. Jahrhundert
    Hochschulschrift Universität Regensburg (=Wissenschaftskulturen. Reihe 1, Wissensgeschichte, Bd. 2) 422 S. Stuttgart 2020: Franz Steiner. Inhalt
    Julia Carina Böttcher untersucht systematische verschiedene umfassend dokumentierte Reisen und rekonstruiert deren Handlungsmuster der Beobachtung als methodisch kontrollierte Form der Wissensproduktion.
  • Marie-Noëlle Bourguet
    Instruments, travel and science : itineraries of precision from the seventeenth to the twentieth century
    (=Routledge studies in the history of science, technology and medicine, 16) X, 303 S. London 2014: Routledge. Online, Inhalt u.a.:
    • Simon Schaffer
      Golden Means: Assay Instruments and the Geography of Precision in the Guinea Trade
    • Jim Bennett
      The Travels and Trials of Mr. Harrison's Timekeeper
    • Kapil Raj
      When Human Travellers Become Instruments: The Indo-British Exploration of Central Asia in the 19th Century Pundits
    • Richard Staley
      Travelling Light
    • David Turnball
      Travelling Knowledge: Narratives, Assemblage and Encounters
  • Brown, A. K., Bell, J., & Gordon, R.
    Expeditions, their Films and Histories: An Introduction.
    S. 1-30 in dieselben (Hg.): Recreating First Contact: Expeditions, Anthropology, and Popular Culture. Smithsonian Institution Scholarly Press. 2013
  • D. Graham Burnett
    Masters of All they Surveyed: Exploration, Geography, and a British El Dorado
    XV, 298 S. [8] Bl. Chicago 2000: University of Chicago Press.
    Die von der Vorstellung eines El Dorado beflügelte Entdeckungsgeschichte im Raum Guyana mit einem Schwerpunkt auf den Expeditionen von Robert H. Schomburgk (1804-1865).
  • Heather Dalton\\ Merchants and Explorers: Roger Barlow, Sebastian Cabot, and Networks of Atlantic Exchange 1500-1560\\ 256 S. Oxford University Press, 2016, Inhalt u.a.:
    • Roger Barlow's World: Community, Guild & Family
    • The Mediterranean Origins of an Atlantic Trading Network
    • Gateway to Wealth: the English Trading Community in Seville
    • Networks of Atlantic Exchange
    • Roger Barlow, Robert Thorne & Hakluyt's Project
  • Donnert, E.
    Russische Forschungsreisen und Expeditionen im 18. Jahrhundert.
    S. 70-98 in: E. Donnert (Hg.): Gesellschaft und Kultur Rußlands in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Teil 2: Literatur, Wissenschaft und Bildung. Halle 1983
  • Driver, Felix
    Distance and Disturbance. Travel, Exploration and Knowledge in the Nineteenth Century
    Transactions of the Royal Historical Society 14 (2004) 73–92
  • Driver, Felix
    Hidden Histories Made Visible? Reflections on a Geographical Exhibition.
    Transactions of the Institute of British Geographers 38.3 (2013) 420–435.
  • Iris H.W. Engstrand
    Spanish-Scientists in the New World, the Eighteenth-Century Expeditions.
    XIV, 220 S. Seattle 1981: University of Washington Press. Online
  • Fellner, Hannes A.
    The expeditions to Tocharistan.
    Instrumenta Tocharica 1 (2007) 13-36. Online
    Eine vergleichende Übersicht zu 3 britischen, 4 deutschen, einer französischen, 3 japanischen und 5 russischen Expeditionen.
  • Nigel Gifford
    Expeditionen. Handbuch für Planung u. Praxis: Konzeption, Finanzierung, Anreise, Nahrung, Ausrüstung, Logistik und Führung
    Pietsch Stuttgart 1984
    1.A. 221 S. 8 Farbtfll., SW-Abb. i. Text. Inhalt
  • Johannes Görbert
    Die Vertextung der Welt. Forschungsreisen als Literatur bei Georg Forster, Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso
    (=WeltLiteraturen, 7) VI, 423 S. Ill., Kt. Berlin 2014: De Gruyter. Inhalt
  • Gräbel, Carsten
    Die Erforschung der Kolonien: Expeditionen und koloniale Wissenskultur deutscher Geographen, 1884-1919.
    Zugl.: Konstanz, Univ., Diss., 2012. 404 S. Bielefeld 2015: transcript. Inhalt
    Untersucht wird auch der Alltag von Geographen unterwegs: Karawanen, Expeditionslogistik, Gewaltmärsche, Expeditionsvorbereitung, Messungen, Fotografieren, Zeichnen und Sammeln, Erkundigungen
  • Habermas, Rebekka
    Intermediaries, Kaufleute, Missionare, Forscher und Diakonissen. Akteure und Akteurinnen im Wissenstransfer.
    S. 27–48 in: Habermas, Rebekka; Alexandra Przyrembel (Hg.): Von Käfern, Märkten und Menschen. Kolonialismus und Wissen in der Moderne, Göttingen 2013: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Hasinoff, Erin L.; Joshua A. Bell (Hg.)
    The Anthropology of Expeditions: Travel, Visualities, Afterlives.
    XIII, 286 S. New York City, NY 2015: Bard Graduate Center. Inhalt Beiträge von Anthropologen und Wissenschaftshistorikern, um die Rolle dieser Reisen in der Naturgeschichte und Anthropologie zwischen etwa 1890 und 1930 zu untersuchen.
  • Hössli, Hans
    Polarexpeditionen und ihre Ausrüstung
    Ski. Jahrbuch des schweizerischen Skiverbandes 9 (1913) 4–25.
  • Marianne Klemun, Johannes Mattes
    Expeditionen und Forschungsreisen (1847–1918). Die kaiserliche Akademie als Förderer und Veranstalter.
    Kapitel 5, S. 197-273 in: Die Österreichische Akademie der Wissenschaften 1847–2022 (=Denkschriften der Gesamtakademie, 88) 2022 Online
    Studien- und Forschungsreisen sowie Expeditionen lassen sich nicht scharf voneinander abgrenzen. Ihnen gemeinsam ist die mobile Praxis der Wissensaneignung und -produktion: „Jede Forschungsreise beginnt nicht mit der Abreise und endet nicht mit der Rückkehr, sondern hat sowohl ein Vor- als auch ein Nachleben. … Die bedeutenden Exponate in Museen, insbesondere im Wiener Naturhistorischen Museum, stammen aus Expeditionen …“
  • Marianne Klemun
    Expeditions and fieldwork in earth sciences.
    S. 1-24 in: Handbook of the Historiography of the Earth and Environmental Sciences. Cham 2024: Springer. Online
  • Martin, Peter R., Edward Armston-Sheret
    Off the Beaten Track? Critical Approaches to Exploration Studies.
    Geography Compass 14.1 (2020): e12476. doi:10.1111/gec3.12476.
  • Eduardo González Muñiz
    Grasping the volk. Manuals for explorers and the concept of ethnological fieldwork in the late 19th century Germany
    (=Dissertation.de, 1727) 225 S. [Berlin] 2015: Winter Industries. Inhalt
  • G. Neumayer
    Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen.
    Mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse der kaiserlichen Marine.
    56 Holzschnitte, 3 lithogr. Tafeln, 696 S. Darin u.a. beispielhaft die »Skizze meines Weges am 1. Mai 1870 … drei Stunden bis Jerusalem … unterwegs entworfen von H. Kiepert
  • Vitalis Pantenburg
    Expedition heute. Wissenschaft unterwegs
    Schwann Düsseldorf 1967
    1.A. 199 S. 48 SW-Tfll.
    Pantenburg schildert die Probleme wissenschaftlicher Forschungsreisen in allen Teilen der Welt, in der Wüste wie in der Arktis, an konkreten Beispielen.
  • Christine Peters
    Die Weltreiseberichte von Humboldt, Krusenstern und Langsdorff : Praktiken des Vergleichens und Formen von Weltwissen
    (=Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur, 162) VI, 307 S. Berlin 2022: De Gruyter. Inhalt u.a.:
    • Das Korpus: Deutschsprachige Weltreiseberichte, S. 14–20
  • Pfäffli, Lea
    Arktisches Wissen. Schweizer Expeditionen und dänischer Kolonialhandel in Grönland (1908–1913)
    (=Globalgeschichte, 32) 201 S. Frankfurt 2021: Campus Online
  • Alexander V. Podossinov
    Wissenschaftliche Reisen in der Antike.
    S. 170–179 in: Larissa Polubojarinova, Marion Kobelt-Groch, Olga Kulischkina (Hg.): Phänomenologie, Geschichte und Anthropologie des Reisens. Kiel, 2015.
  • Ursula Rack
    Sozialhistorische Studie zur Polarforschung anhand von deutschen und österreich-ungarischen Polarexpeditionen zwischen 1868-1939. Social-historic study of polar exploration based on German and Austrian-Hungarian polar expeditions between 1868-1939
    = Dissertation im Fachbereich Wirtschafts-und Sozialgeschichte der Universität Wien 2009. Berichte zur Polar- und Meeresforschung (Alfred-Wegener-Institut für Polar-und Meeresforschung in Bremerhaven) 618 (2010) Online
  • Teresa Segbers
    Abenteuer Reise Erfahrungen bilden auf Exkursionen
    Hochschulschrift Univ. Frankfurt/Main, VI, 366 S. Berlin 2018: Lit. Inhalt
  • Thomas, Martin (Hg.)
    Expedition into empire: Exploratory journeys and the making of the modern world.
    New York 2015: Routledge. Darin u.a.:
    • Thomas, Martin: What is an expedition? An introduction. S. 1–15.
  • Benoît Tollu, Patrick Arnaud, Etienne Taillemite(Vorwort)
    Une histoire métallique des régions polaires : musée imaginaire
    Anhand der Medaillen und Plaketten, die Personen und Expeditionen ehrten, wird eine Enzyklopädie der Entdeckungsgeschichte der Pole entworfen. Das erste Kapitel enthält 35 alphabetisch geordnete Pesönlichkeiten, Albert I. von Monaco bis Wegener, unter anderem Amundsen, Bering, Bougainville, Charcot, Kerguelen, Lapérouse, Shackleton und umfasst damit fast die Hälfte des Buches. Ein weiteres umfangreiches Kapitel widmet sich Expeditionen und Missionen vom 18. Jahrhundert bis in die jüngere Zeit, von Maupertuis' Reise nach Lappland zur Vermessung des Meridians bis zu den französisch-sowjetischen Polarweltraumexperimenten von 1981.
  • Jane Amanda Wess
    The Role of Instruments in Exploration: A Study of the Royal Geographical Society 1830-1930
    PhD in Geography The University of Edinburgh 2017 356 S. Bibliogr. 278–309, Liste der Geräte S. 310–355. DOI
  • Zimmermann, Christian v.
    Wissenschaftliches Reisen, reisende Wissenschaftler.
    Studien zur Professionalisierung der Reiseformen zwischen 1650 und 1800.

    142 S. Heidelberg 2003: Palatina.

Schiffsarzt

baraber surgeon (11.-19. Jh.), naval surgeon, ship's doctor

Arzt/surgeon Expedition Schiff Zeitraum
Diego Álvarez Chanca Christoph Kolumbus 1493
NN barber John Cabot Matthew 1497
Hernando de Bustamante Ferdinand Magellan 1519–1522
Alexander Gardiner
Richard Molton
Sebastian Cabot Bona Esperanza 1553
William Corniels John Hawkins 1568
NN Thomas Candlish 1586
James Wood
Chief Chirurgion of the Fleet
Francis Drake
John Hawkins
1595
Thomas Dover, 1660–1742 Woodes-Rogers Duke and Dutchess
George Bass
1771 – nach 1803
HMS Reliance
  • Zachary Friedenberg
    Medicine in the Age of Sail
    IX, 172, [16] S. Naval Institute Press, Annapolis, Md., 2002 Inhalt
  • Keevil, J.
    Medicine and the Navy 1200 - 1900. Vol 1 (1200-1649).
    London 1957: E&S Livingstone
  • de Micheli-Serra, Alfredo
    Cirujanos y médicos frente a la Inquisición Novohispana [Physicians and surgeons during the inquisition in new Spain].
    Gac Med Mex. 139.1 (2003 Jan-Feb) 77-81. Online
  • J. A. Nixon
    The Health and Welfare of the Merchant Seaman
    Edinb Med J. 53.4 (1946) 145–159. Online
    „The problems with health and sickness at sea began with long voyages of discovery“ S. 145; Enthält eine Reihe von Expeditionen mit namentlicher Nennung der sie begleitenden surgeons.
  • Aurelio Tió
    Dr. Diego Alvarez Chanca : estudio biográfico
    XV, 450 S. San Juan de Puerto Rico [1966]: Instituto de Cultura Puertorriqueña, Universidad Interamericana de Puerto Rico.
  • William Turnbull
    The naval surgeon
    comprising the entire duties of professional men at sea …
    LXVI, 412 S., Frontispiz, Tafeln. B. Mc Millan, London, 1806
  • N. Westphalen
    Medieval Naval Medicine: 1200-1500.
    Aust Mil Med 10.3 (2001) 128-135.
  • N. Westphalen
    English Medieval Ships Warfare and Medicine
    Journal of Military and Veterans Health. 31.1 (2023) 40–48
  • John Woodall
    The surgions mate,
    or, A treatise discouering faithfully and plainely the due contents of the surgions chest : the uses of the instruments, the vertues and operations of the medicines, the cures of the most frequent diseases at sea: namely, wounds, apostumes, vlcers, fistulaes, fractures, dislocations, with the true maner of amputation, the cure of the scuruie, the fluxes of the belly, of the collica and illiaca passio, tenasmus, and exitus ani, the callenture ; with a briefe explanation of sal, sulphur, and mercury ; with certaine characters, and tearmes of arte.
    [24], 348, [i.e. 328] S., 2 Falttafeln. London 1617: Edward Griffin for Laurence Lisel, at the Tygers-head in Pauls Church-yard
    Der Autor war der erste surgeon-general der East India Company.
    • John H. Appleby
      New light on John Woodall, surgeon and adventurer.
      Medical History 25 (1981) 251–268. Online
1)
Sein Sohn Sebastian Cabot (1472–1557) war nach eigener Aussage dabei.
2)
Purchas, Samuel
Purchas his pilgrimes
In five bookes. Vol. 4. 1625. Online
4)
Nixon 1946, S. 145
wiki/expeditionen.1774850553.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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