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Expeditionen

Begriff

Lateinisches expedītio bedeutet ‘Erledigung, Abfertigung, Durchführung, Feldzug', also einen organisatorischen Vorgang, der zuerst militärisch gedacht wurde und in Begriffen wie Expeditionskorps, Expeditionsarmee bis heute erscheint.

In heutigen Begriffen zeigt 'expedition' als Letztglied besonders schwierige zivile Unternehmungen an: Arktisexpedition, Dschungel- oder Wüstenexpedition, Nord- oder Südpolexpedition, Polarexpedition, Such- und Rettungsexpedition, Tierfangexpedition. Gemeinsam ist diesen, dass nicht nur etwas erreicht, sondern auch zurückgebracht wird und dem Wert zugemessen wird.

Im Vordergrund stehen dabei Erkundungs- und Forschungsexpeditionen. Im Englischen wird die Forschungsexpedition als 'exploration' bezeichnet, während im Deutschen die Exploration die Suche und das Erschließen von Rohstoffvorkommen bezeichnet, was wiederum durchaus die Aufgabe einer Expedition sein kann.

Immer wird dabei die Unternehmung einer Gruppe verstanden, hierarchisch unterschieden werden Expeditionsleiter und Expeditionsteilnehmer. Das lässt sich so interpretieren, dass zur Bewältigung der gesetzten Aufgabe Leistungen und Funktionen mehrerer Menschen erforderlich sind und koordiniert werden müssen. Das wiederum erfordert Hierarchie und Kommandostruktur anders als bei Reisegefährten.

Die Unternehmungen Einzelner (Abenteurer) als 'Expedition' zu bezeichnen ist durch die genannten Kriterien nicht gerechtfertigt.

Die Einführung des Begriffs im Sinne von Voyage oder Reisen

Die Fahrt von Giovanni 'John' Caboto (um 1450 bis nach 1498) 1) 1497 zur kanadischen Küste gilt als erste britische maritime Expedition. Da es keinerlei unmittelbare Dokumente dieser Fahrt gibt, bleibt unbekannt, ob sie auch damals schon als 'Expedition' bezeichnet wurde. Im königlichen Patent von 1496 heißt es „omni viagio suo“, in der englischen Übersetzung 'voyage'. Erstmals belegt ist der Begriff 'expedition' 1580:

Die Karte wurde um 1587 von einem unbekannten Zeichner erstellt als eine verkleinerte Kopie der Karte, die Drake 1581 für Königin Elisabeth I. angefertigt hatte. Letztere ist verbrannt, die Kopie damit die älteste Karte der Weltumsegelung von Drake mit The Golden Hind. Diese Karte zeigt die Route der Weltumsegelung 1577–1580 mit einer hellbraunen Linie und die seiner Karibikreise 1585–1586 mit einer dunkelbraunen Linie. Drake, der als Kaperfahrer bekannt wurde, umsegelte 1577–1580 die Welt. Ob dies sein Auftrag war, ist unbekannt. Jedenfalls kaperte er spanische Schiffe und bescherte seinen Finanziers einen Gewinn von 4700 Prozent (Wikipedia).

Richard Hakluyt verwendet den Begriff 1582 häufig (Principal navigations) Samuel Purchas verwendet den Begriff 'expedition' 1625 einige Male im Sinne von voyage, doch vergleichsweise selten und manchmal negativ konnotiert (fatall, miserable), was das Ergebnis einer solchen angeht, etwa zu Sir Francis Drakes letzter Fahrt: »Toomit other braue exploits neerer home, as that most glorious of 88, and the rest: our puposer is to give you the remote Voyages of this worthy Sea-man; and now lastly that last and fatall expedition Anno 1595 …« 2). Gehäuft im Sinne von Entdeckungsfahrten erscheint der Begriff erst im 18. Jahrhundert, etwa:

Immerhin hatte sich der Begriff so weit durchgesetzt, daß der schottische Schriftsteller Tobias Smollett (1721–1771) ihn 1771 im Titel (The Expedition of Humphry Clinker, Online) seines letzten und erfolgreichsten Romans verwendete. Die satirische Verwendung setzt eine allgemeine Vertrautheit mit dem Begriff voraus.

Im Französischen erscheint 'expedition' erstmals im Sinne von voyage und ohne militärischen Kontext 1618:

Im Deutschen erscheint 'Expedition' im Sinne von Reisen wohl zuerst bei Johann Joachim Schwabe, 1748 im ersten Band seiner Allgemeine Historie der Reisen zu Wasser und Lande (Online). Auch bereits früher, aber dann als 'Alexanders' Expedition' (1715) oder 'Von der Argonauten Expedition' (1747), also noch im Sinne einer auch militärischen Unternehmung.

Im Spanischen wurden die Unternehmungen der Conquista armada de rescate, jornada oder entrada genannt, wobei nur die erste Bezeichnung sowohl die Mittel (Waffen) als auch das Ziel (Beute) benennt 3)

Übersetzung

Deutsch Englisch Französisch Spanisch Italienisch Niederländisch
Expedition expedition
exploration
expédition expedición spedizione expeditie
Entdeckungs-reise voyage of discovery voyage de découverte viaje de descubrimiento viaggio di scoperta ontdekkingsreis
Forschungs-reise research trip voyage d'exploration scientifique viaje de investigación viaggio di ricerca onderzoeksreis

Expeditionen zum Erschließen des Raumes

Raumvorstellungen

Richtungen

Expeditionen zum Erschließen von Routen

Ziele

Organisation

Expeditionen als maritime Unternehmungen

Expeditionen waren zuerst maritime Unternehmungen. Strukturell vergleichbar waren Handelsfahrten, die außerhalb bekannter Routen neue Märkte oder exklusive Waren suchten (→ Fernhandelsnetzwerke). Kaufleute, Schiffseigner und Schiffsführer koppeln sich dabei:

Ursprünglich waren diese drei Funktionen in Personalunion vereint, das Projekt war ein 'Abenteuer'.
Seehandelsunternehmungen (Commenda) entstanden, indem die Funktionen von Kapitalgeber, reisendem Kaufmann und Schiffseigner zwar verschiedenen Personen zufielen, die jedoch durch die Familie verbunden waren. In Familienverbänden fanden sich Kaufleute, Schiffseigner, Navigatoren, Kartographen und Kompassbauer:
Karte, Kartographen & Kartographie im 14. Jahrhundert
Karte, Kartographen & Kartographie im 15. Jahrhundert
Karte, Kartographen & Kartographie im 16. Jahrhundert

Merkmale früher Expeditionen

Die Wahrnehmung von Expeditionen als etwas Neuem lässt sich als funktionelle Differenzierung beschreiben, indem Herrscher (machtpolitische) Ziele setzen (→ Greenblatt: Besitzergreifung), die über das Erzielen einer Handelsrendite hinausgehen, siehe beispielsweise das königliche Patent für Cabot.

Ein weiterer Schritt wird im 18./19. Jahrhundert sichtbar, als Interessenverbände (z.B. geographische Gesellschaften) Expeditionen aufstellten, die nun primär wissenschaftliche Ziele verfolgten (exploration). Dabei erscheint als neue Figur der die Expedition begleitende Wissenschaftler. Mit Charles Marie de la Condamine beginnt dann die Zeit der Landexpeditionen (Territorialisierung, Hinterland-Erschließung).

Eine Expedition ist gekennzeichnet durch

  1. funktionale Differenzierung, die sichtbar wird durch unterschiedliche Figuren und deren Aufgaben;
  2. erhöhte Ansprüche an Autarkie und Autonomie durch entsprechende Vorsorge.

Organisationsschema & Figuren

Figur/Funktion vorher unterwegs nachher Maritim
Reeder Ausrüstung, Bemannung
Auftraggeber Zielsetzung
Finanzierung
Kaufmann Investition
Expeditions-
leiter
Itinerar
Ausrüstung
Team (Auswahl)
Reiseberichte
Apodemik
Ausrüster
Kommando, Strategie
Verantwortung
Account
Relation
Kapitän Schiffsführer
Der Alltag unterwegs Lokale Experten
Stellvertreter Vorbereitung Organisation, Sicherheit Bericht 1. Offizier Arbeitsabläufe kordinieren,
Sicherheit überwachen
Wächter
Navigator Vorbereitung Orientierung
Kartographie
Karten Nautischer Offizier Navigation,
Kurs, Wetter
Führer Sichere Wege
Logistiker Vorbereitung Routen, Transport,
Permits, Nachschub
Bootsmann
Träger, Tierführer Lasten; Zug-/Lasttiere
Kommunikation
Dolmetscher Sprach- & Kulturtransfer
Quartiermeister Vorbereitung Verpflegung Smut
Koch
Ingenieur Vorbereitung Instandhaltung
Fahrzeuge, Ausrüstung
Maschinist
Handwerker Reparaturen
Optional
Militär Verteidigung Verteidigung
Mediziner Gesundheit Barber-Surgeon
Kleriker
Experten
Wissenschaftler Messungen, Probenahme,
Sach-
dokumentation
Sammlung
Maler
Photograph
Bild-
dokumentation
Bilder
Hinterland-Erschließung
Vermesser Landschaften vermessen Messdaten

Das Schema ist idealtypisch vereinfacht. Varianten entstehen durch

Verweise

Ethnographische Filme, Expeditionsfilme und Tierfilme
Expeditionsküche
Expeditionsmaler
Expeditionsmarken und Padrões ('Portugiesenkreuze')
Expedition medicine (Wikipedia)
Expeditionsmobile

Literatur

Schiffsarzt

barber surgeon (11.-19. Jh.), naval surgeon, ship's doctor

Arzt/surgeon Expedition Schiff Zeitraum
Diego Álvarez Chanca Christoph Kolumbus 1493
NN barber John Cabot Matthew 1497
Hernando de Bustamante Ferdinand Magellan 1519–1522
Alexander Gardiner
Richard Molton
Sebastian Cabot Bona Esperanza 1553
William Corniels John Hawkins 1568
NN Thomas Candlish 1586
James Wood
Chief Chirurgion of the Fleet
Francis Drake
John Hawkins
1595
Thomas Dover
1660–1742
Woodes-Rogers Duke and Dutchess
George Bass
1771 – nach 1803
HMS Reliance
1)
Sein Sohn Sebastian Cabot (1472–1557) war nach eigener Aussage dabei.
2)
Purchas, Samuel
Purchas his pilgrimes
In five bookes. Vol. 4. 1625. Online
4)
Nixon 1946, S. 145