Das 41. Fernreisemobiltreffen im Corona-Jahr 2020

Die mittelbaren Folgen der Pandemie für Globetrottertreffen 

erstellt am 23. April 2020; zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2020
Zitieren mit Quellenangabe: Fernreisemobiltreffen.de, Norbert Lüdtke

»Zum Aufsetzen des Fußes genügt eine kleine Stelle,
aber vorwärts kommt man nur mit viel freiem Raum vor den Füßen.«

Chuang-tzu, ca. 365-290 v. Chr.
 
Das Fernreisemobiltreffen wird stattfinden,
wenn die Epidemie beherrschbar bleibt.
Dann werden die »Corona-Verordnungen« gelockert und
das »Neue Normal« muss zur Gewohnheit werden.

Das 41. Fernreisemobiltreffen 2020 ist nicht öffentlich.
Es bedarf einer persönlichen und bestätigten Einladung.
Eine spontane Teilnahme ist nicht möglich.
Das genaue Teilnahmeverfahren wird Ende Juli mitgeteilt.

Wie machen das die anderen?

Ein Fernreisemobiltreffen setzt um das Wochenende voraus:

  1. Reisefreiheit, insbesondere für »touristische Reisen« mit Reisemobilen:
    Antwort der Staatskanzlei NRW
    ► Unterzeichne die Petition beim Deutschen Bundestag!

  2. Ortsfeste Veranstaltungen unter freiem Himmel für mehr als x Personen

  3. Die Öffnung der Reisemobil-Infrastruktur, u.a. des Reisemobil-Stellplatzes in Enkirch.
    Ab 13. Mai dürfen Wohnmobilstellplätze in Rheinland-Pfalz öffnen (§2 6. CoBeLVO),
    das gilt gleichzeitig auch für die Gastronomie.

  4. Ein umsetzbares Maßnahmenkonzept  im Einvernehmen mit der Gemeinde Enkirch zu Abstand, Flächen, Personenzahlen, Hygiene, Gastronomie, Gemeinschaftsräume, sanitären Anlagen usw basierend auf:

    1. Vorgaben des Landes Rheinland-Pfalz
    2. Prinzipien der Risikoeinschätzung und ‎Handlungsempfehlung für Großveranstaltungen
      vom Robert-Koch-Institut auf den Webseiten des Bundesinnenministers

Diese Voraussetzungen sind derzeit nicht gegeben durch:

Beschlüsse von Bund und Ländern vom 15. und  30. April sowie vom 06. Mai 2020. 

Der Behörden-Fahrplan: Änderungen & Aktualisierungen (Stichtage)

  • die Beibehaltung des Kontaktverbotes bis zum 6. Juni.

  • Unverändert: Bis mindestens Mo 31. August gilt das Verbot von Großveranstaltungen.
    Solche werden je nach Bundesland verschieden definiert, hier eine aktualisierte Übersicht

  • Verschärfungen werden aktiviert, wenn Landkreise bzw. Städte mehr als 50 Neu-Infektionen (»Inzidenz«) pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen verzeichnen (Karte). 
  • Die Gastronomie ist ab dem 13. Mai mit Auflagen ohne Nutzung der Barbereiche geöffnet.

  • Hotels und Ferienwohnungen werden ab dem 18. Mai unter Auflagen geöffnet.

  • Camping wird ab dem 13. Mai für Dauercamper
    und ab dem 18. Mai für weitere Camper unter der Auflage einer eigenen Sanitäranlage des Benutzers wieder geöffnet.
    Ab dem 10. Juni wird es auch ohne eigene Sanitäranlage des Benutzers möglich sein zu campen.

  • Veranstaltungen im Außenbereich sind derzeit untersagt.
    Ab dem 27. Mai können Veranstaltungen im Außenbereich mit bis zu 100 Personen stattfinden.
    Ab dem 10. Juni wird die Personenbegrenzung auf 250 angehoben.

Zudem ist die Reisefreiheit verschiedentlich eingeschränkt

Wie wirksam sind Reisebeschränkungen?
Sibylle Anderl (FAZ 09.05.2020) wertete acht Studien zum Thema aus. 

  • An den deutschen Landgrenzen ist der Grenzübertritt nur an ausgewählten Grenzübergangsstellen möglich, siehe die Liste beim Bundesinnenministerium BMI.
    Mit verstärkten Kontroll- und Fahndungsmaßnahmen im 30-Kilometer-Grenzraum
    durch die Bundespolizei ist zu rechnen.
    Grenzkontrollen zu Frankreich, Österreich und der Schweiz erfolgen zunächst bis zum 15. Juni.
    Die Grenzen zu Luxemburg, Belgien und den Niederlanden sind geöffnet.
    Absicht: Österreich will die deutschen Landgrenzen ab dem 15. Juni wieder öffnen.

  • Die Ein- und Ausreise nach Deutschland wurde durch Innenminister Seehofer (CSU) auf dringend notwendige Reisen eingeschränkt, über Details (FAQ) informiert die Bundespolizei.
    Welche grenzüberschreitende Privatreise als zwingend notwendig anzusehen ist, liegt im pflichtgemäßen Ermessen des Beamten vor Ort.
    Deutsche dürfen in jedem Fall einreisen. Für Reisende mit Schengen-Visum ist die Einreise verboten.
    Gesundheitliche Maßnahmen wie etwa Quarantäne regelt das jeweilige Bundesland,
    im konkreten Fall entscheidet das zuständige Gesundheitsamt.

  • Die offizielle Warnung vor touristischen Reisen weltweit erließ Außenminister Heiko Maas (SPD)  am 17. März, das Auswärtige Amt informiert über Details (FAQ). Diese weltweite Reisewarnung gilt bis auf weiteres, mindestens aber bis zum 14. Juni (Beschluss der Bundesregierung vom 29. April).
    Die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern scheint dabei nicht mehr im Vordergrund zu stehen,
    denn zur Begründung dienen vielmehr die Verordnungen selbst, also

  • Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr sowie geschlossene Häfen und Flughäfen

  • geänderte Einreise- und Visumvorschriften, Einreisebeschränkungen und -verbote, geschlossene Grenzübergangsstellen,
    hier die Übersicht für alle Länder weltweit (travel restrictions).

  • Quarantänemaßnahmen, obligatorisch oder in Selbstüberwachung des Gesundheitsstatus

  • Einschränkungen des öffentlichen Lebens in vielen Ländern

Der Pandemiestatus & die Sicht der Epidemiologen

  • Tagesaktuelle Daten zur Pandemie grafisch oder als Lagebericht sowie der R-t-Wert.

  • Anschauliche Simulationen (englisch) auf mathematischer Grundlage erleichtern das grundsätzliche Verständnis der Pandemie. Parameter lassen sich einstellen, mit Worst-Case-Szenarien.

  • Die Verlaufsprognose für drei Szenarien im Zeitraum 2020-2021-2022 (Original englisch) auf der Grundlage von Vergleichen mit historischen Pandemien und anderen Viren.


Das »Neue Normal« - Perspektiven fürs Unterwegs-Sein

Solange kein Impfstoff massenhaft verfügbar ist, helfen gegen das Wiederaufflackern der Pandemie nur: 

1. Hauptübertragungssituationen (Superspreading Events SSE) meiden

Als virenschleudernde Höhepunkte der Geselligkeit sind nachgewiesen:
Die Karnevalsfeier in Heinsberg, die Apres-Ski Bars in Ischgl, die Feiern der Fußball-Fans in Bergamo, der Berliner Club Trompete, spirituelle Massenveranstaltungen, nicht nur  in Südkorea,
einfach zu merken mit der 4S-Regel: Sex, Spiel, Sport, Spiritualität.

Deren gemeinsame Merkmale zur Virenverbreitung sind allesamt Spassfaktoren:
► viele Menschen, die Nähe Anderer suchend
► rufend, schreiend, singend, grölend, keuchend
► in geschlossenen Räumen mit geringem Luftaustausch
► distanzarm und enthemmt durch Ausgelassenheit und Alkohol

2. Anzahl der Personenkontakte minimieren

3. Abstand halten, weil die Tröpfcheninfektion überwiegt

Viren gelangen aus dem Rachenraum in die Luft, als Tröpfchen oder in kleineren Aerosolen.
Tröpfchen fallen schnell zu Boden, also:
► 1,5 m Abstand schützt,
außerdem die direkte Ansprache (face-to-face)  möglichst kurz halten

Aerosole verweilen in der Luft und gelangen weiter, also:
► erhöhter Luftaustausch in geschlossenen Räumen
► draußen unter freiem Himmel helfen Wind und UV-Strahlung

4. Hygienedisziplin wahren, weil Schmierinfektion über Speichel, Spucke, Rotz möglich ist,
also im öffentlichen Raum

► Nicht Spucken

► Bei Husten und Niesen Nase und Mund bedecken

► Rufen, Keuchen, Grölen, Singen usw. insbesondere in geschlossenen Räumen meiden

Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Raum: Stellungnahme des RKI
»Community-Masken«: Merkblatt des BZgA sowie  Hinweise des BfArM  

5. Virenlast senken

Das Corona-Virus kann durch Abwaschen mit Seife oder Alkohol (min. 80%) deaktiviert werden. Wischen ist wirksamer als Sprühen; mindestens 20 Sekunden Einwirkzeit.

Reinigung und Desinfektion von Oberflächen: Hinweise des RKI
Händedesinfektion und Desinfektionsmittel: Stellungnahme des RKI

Diese Maßnahmen führen zum Spagat zwischen Schutzbedürfnis aus Angst und Freiheitsdrang als Lust. 

  • Die touristische Infrastruktur wird Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen umsetzen müssen.
    Diese sind im ländlichen Umfeld und mit manchen touristischen Konzepten einfacher umzusetzen für:

    • Selbstversorger mit Reisemobilen

    • eigenes Fahrzeug und Fahrrad anstatt öffentlicher Verkehrsmittel

    • Aktivitäten unter freiem Himmel, auch unter Vordächern, Markisen, offenen Partyzelten
      Freies Zelten für Alle: Nils Erich plädiert für ein Jedermannsrecht wie in Skandinavien! 

    • Ferienhäuser und Dauercamper

    • Urlaub auf dem Bauernhof und ähnliche Formen

Das Neue Normal: Verhaltensregeln beim Treffen 

My Home is my Castle: Hygieneschleuse & Selbstisolation im eigenen Reisemobil

  • Schuhe, Mund-Nase-Schutz, Abfall, Flaschen bleiben draußen:
    trocken, am Haken, im Beutel oder in einer Kiste mit Deckel.

  • Alles, was ins Reisemobil gebracht wird, wird vorher gewaschen oder desinfiziert.
    ► Sprühflasche mit Seifenwasser zum Waschen vor dem Reisemobil bereitstellen.
    ► Putzlappen draußen trocknen lassen.

  • Hände waschen ist selbstverständlich - aber:
    Was ist mit Brille und Portemonnaie, Smartphone und Tablet?

  • Hygienisch besonders exponierte Stellen: (Tür-)griffe, Schalter, Wasserhahn, Spüle. 

Gemeinsam mit Anderen am Feuer oder draußen am Tisch: 

  • Was mutet man einander zu? Konsens über die Regeln untereinander herstellen:
    ► Wie viele sitzen zusammen? Abstand > 1,5 Meter.
    ► Nicht gegenüber sitzen, sondern im Halbkreis.
    ► Nicht auf den Boden spucken.
    ► Soll ein Mund-Nase-Schutz getragen werden?

  • Best Practice: Jeder sorgt ausschließlich für sich selbst.
    ► Eigenes Ess- und Trinkgeschirr mitbringen.
    ► Ebenso: Knabbereien, Gläser, Flaschen, Kippen, Korkenzieher, Flaschenöffner ...
    ► Jeder nimmt seine Utensilien und den Abfall wieder mit zum eigenen Reisemobil.

  • Hygiene
    ► Den gemeinsam genutzten Tisch anschließend reinigen bzw. desinfizieren.
    ► Papiertaschentücher, Küchenpapier, Servietten, Mund-Nase-Masken, Zigarettenkippen, Spucke,
    usw. können infektiös sein, also:
    getrennt sammeln, in Papierbeuteln (Brötchentüte) trocken aufbewahren, verbrennen.

Reisemobiltourismus und Campingtourismus in den Positionspapieren von Verbänden.

Solange das Virus irgendwo ist, wirkt es als wäre es überall.

Solange werden wir mit einer Situation leben müssen, in der Hygiene wichtiger als Händeschütteln ist, Abstand wichtiger als Umarmen, die Kontrolle der Grenze wichtiger als Reisefreiheit.

In der Not sind meist die Fremden schuld: Für die einen ist es das chinesische Virus, für die anderen das Virus der Weißen. Kinder zeigen auf Touristen und rufen: »Corona«. Den Reisenden begegnen nun vermehrt Sorge und Mißtrauen statt Neugier und Offenheit.

Der Tourismus als Einnahmequelle wird zwar vermisst, die Freiheit vom Overtourism jedoch begrüßt. Viele Zielgebiete werden Tourismusmassen künftig anders kanalisieren. Von einer Befreiung aus der »Sklaverei des Massentoruismus« spricht Dario Nardella, Bürgermeister von Florenz, am 12. Mai 2020.

Reisen wird lange Zeit anders sein, die Weltanschauung wird sich ändern. Auch die »Tricolore der Touristen« flattert nicht mehr: Freiheit, Sicherheit, Gesundheit. Diese »Leerbegriffe« (Luhmann) offenbaren sich als Visionen, die man zwar anstreben, aber nicht erreichen kann.

Im März 2020 befanden sich etwa 600.000 Europäer außerhalb Europas. Im Mai befanden sich noch 50.000 Reisende in einer Robinson-Situation, wie es sie zuletzt während des WKII gegeben hat: Reisen als Flucht. Allerdings mit dem Unterschied, dass heute das unerträgliche Gefühl des Eingesperrt-Seins Reisende und Nicht-Reisende vereint.